Das Gruppensprecherseminar 2010 in Haltern am See

von Anton Mingers und Horst Gottaut, Redaktion

Teilnehmer des Gruppensprecherseminars in Haltern am See.

Vom 24. bis 26. Sept. fand das diesjährige Seminar der Vertreter/innen aus den DVMB-Gruppen des Landes NRW in Haltern am See, Westfalen, statt. Die meisten der Teilnehmer waren schon am Freitag im Laufe des späten Nachmittags angereist und nutzten nach dem gemeinsamen Abendessen in einer ersten Runde die Gelegenheit zum Informationsaustausch mit den Vertretern anderer Gruppen oder dem Vorstand. Das wurde am Samstagabend dann in einer zweiten Runde fortgesetzt, denn Stoff für Gespräche gab es genug.

Der Samstag und der Sonntagvormittag waren angefüllt mit Referaten und Diskussion. Am Samstag nach dem Mittagessen gab es ein Intermezzo zur Entspannung: eine ca. zweistündige Bootsfahrt auf dem See.

Insgesamt ging es diesmal um folgende Themen:

  • Aktuelle Untersuchungs- u. Behandlungsmethoden bei Spondylitis ankylosans, (Frau Dr. Kiltz, RZR)
  • Über Organisation und Aufgaben des MDK (Dr. Reus, MDK Westf.-Lippe)
  • Das Konzept des Bundesverbands zur Gruppensprecherausbildung (H. Prox, Arbeitskreis des BV)
  • Zu Status und Konzepterstellung für die Öffentlichkeitsarbeit (Frau St. Sack, PR-Beraterin des LV)
  • Zur Mittelbeschaffung für den Verein, Fundraising  (W. Pickler, LSB-NRW, VIBSS)
     
Frau Dr. Kiltz berichtete über das Krankheits-Management bei Morbus Bechterew nach den Empfehlungen der ASAS/EULAR.

Frau Dr. Kiltz, Oberärztin am Rheuma Zentrum Ruhr (RZR) und Mitglied des internationalen Expertenkreises zur SpA, ASAS, berichtete über das Krankheits-Management bei Morbus Bechterew nach den Empfehlungen der ASAS/EULAR. Das schließt neben der Anamnese die Befunderhebung auch mit modernen CT- und MRT-Verfahren und bei Überwachung des individuellen Krankheitsverlaufs die Behandlungsstrategie (medikative, physiotherapeutische und auch balneologische Therapie) mit ein.

Es wurde deutlich, dass auch in Zeiten moderner NSAR und TNFa-Blocker die Bewegungstherapie sowie Funktionstraining und Rehasport nach Expertenaussagen einen hohen Stellenwert haben, selbst wenn bei Letzteren eine Erfolgskontrolle im Rahmen einer „evidence based medicine“ kaum realisierbar ist.

Diese bietet aber Kriterien, an denen sich der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) anscheinend bevorzugt orientiert. Dr. Reus, MDK Westfalen-Lippe, wies deshalb in der Diskussion ausdrücklich darauf hin, dass bei Anträgen von Rehamaßnahmen sowie bei Verordnungen von Funktionstraining und Rehasport eine möglichst detaillierte Beschreibung der Krankheitssituation des Antragstellers (orientiert an den ICF-Kriterien) durch den behandelnden Arzt erheblich von Nutzen ist.

Das würde eine Begutachtung durch den MDK deutlich sachbezogener machen und auch Kosten sparen. In seinem Vortrag machte Dr. Reus deutlich, dass der MDK seine Begutachtung auch an den Vorgaben des SGB V ausrichten muss, letztlich die Entscheidung aber den beauftragenden Krankenkassen obliege. Auf die Kritik an der mangelnden Transparenz des Verfahrens erwiderte Dr. Reus, dass die MDK-Begutachtung im Normalfall kein schriftliches Produkt beinhalte.

Dr. Reus ging in seinem Vortrag auf die Beantragung von Rehamaßnahmen sowie die Verordnungen von Funktionstraining und Rehasport ein.

In NRW ist der MDK analog der KV in zwei Organisationen gegliedert: für Nord-Rhein und Westfalen-Lippe. Beide unterhalten Beratungsstellen mit Fachreferaten, dabei ist die Verteilung in Westfalen-Lippe sogar fast flächendeckend.

Horst Prox stellte das von einem Arbeitskreis des Bundesverbands entwickelte Konzept zur Aus- und Fortbildung der Gruppenleitungen  vor. Es soll einer Vereinheitlichung im gesamten Verband dienen und letztlich auch ein Qualifizierungsnachweis werden. Das Ausbildungsprogramm umfasst 4 Module (Selbstverständnis, Gruppenleitung, rechtliche Aspekte und Öffentlichkeitsarbeit), die in einer Wochenendveranstaltung absolviert werden sollen.

Stephanie Sack, PR-Beraterin des LV-NRW, berichtete über die Ergebnisse aus der Befragung der Gruppen zum Stand ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Offenbar wurde, dass die Aktivitäten von Gruppe zu Gruppe sehr unterschiedlich sind. Das betrifft sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität. Allgemein aber lässt sich feststellen, dass es in den Gruppen und auch im Landesverband an einem durchdachten und dann auch umgesetzten Konzept fehlt.

Deutlich wurde auch, dass eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit ein solches Konzept voraussetzt, also eine rechtzeitige Planung und deren konsequente Umsetzung. Dazu braucht es einen langen Atem! Ausgehend von der erfolgreichen journalistischen Begleitung des Sommerfestes in Witten soll nun in Abstimmung mit dem Vorstand ein Pilotprojekt durchgeführt werden, das Planungs- und Ausführungskriterien beispielhaft erarbeitet und demonstriert. Aufhänger soll ein interessanter Anlass im Leben einer Gruppe sein.

Im Vortrag von Winfried Pickler ging es um das Thema Mittelbeschaffung.

Am Sonntagvormittag befasste sich das Plenum mit dem Thema Mittelbeschaffung. Ausgangspunkt war ein Vortrag von Winfried Pickler, Landessportbund-NRW, Servicecenter VIBSS. Doch bald wurde daraus unter seiner Führung ein interaktiver Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmern anhand vieler Hinweise und Beispiele für eine praxisbezogene Umsetzung.

Dabei verwies W. Pickler aber auch auf Risiken und Gefahren, die bei allzu forschem Enthusiasmus leicht übersehen werden können. Es war eine lehrreiche Veranstaltung.

All das füllte wieder einmal ein insgesamt informatives und lohnendes Wochenende, wobei auch genügend Raum für persönlichen Austausch und Kontaktpflege gegeben war. Auch das wurde eifrig genutzt.